Erklärungen zur Umsetzung der Landesstellenplanung 2010 in der Kirchengemeinde Weißenburg

Es wird kein „weniger“ an Kinder- und Jugendarbeit geben, sondern vielleicht ein „anders verteilt und vernetzt“
Erlauben Sie mir, verehrte Leserin, verehrter Leser, einige persönliche Worte.
Persönliche Worte, weil ich in den vergangenen Jahren immer wieder für Sachverhalte verantwortlich gemacht wurde und angegriffen wurde, für die nicht ich die Verantwortung trage,
auch wenn so manche einzelne Stimme es gerne so hätte, dass „halt die Dekanin schuld ist“, oder „die Dekanin hätte alles tun müssen, um die halbe Stelle zu retten“, oder „der eine Dekan hat die Stelle geholt, der andere hat es „vermurkst“ und sie hat ihr den Todesstoß gegeben.“

Ich weise hier darauf hin, dass es meine mühevolle Umstrukturierung der Haushaltsführung und Haushaltskontrolle und das Nichtbesetzen von Stellenanteilen der Pfarramtssekretärin zum Teil erst möglich machte, diese Eigenfinanzierung (s.u.) für 5 Jahre zu stemmen. Hier erinnere ich an die Einlage im Gemeindebrief vor gut einem Jahr.
Warum habe ich das getan?
Weil ich all die Enttäuschung verstehen kann und weil ich überzeugt bin, dass wir einen Weg finden, wenn wir zusammenarbeiten anstatt uns zu zerstreiten. Wir werden nur gemeinsam einen Weg finden.

Zum zweiten fand ich bei meinem Dienstantritt einen gültigen Beschluss vor. Es war erst im Sommer 2012 möglich diesen zu sichten, weil durch die Baumaßnahmen im 1. Pfarrhaus die Akten monatelang hinter Plastikplanen verdeckt waren und mein Anfang hier sehr belastet war und ich erst eins nach dem anderen angehen konnte. Es gab damals mehrere Baustellen.

Dieser Beschluss zur Umsetzung des Landesstellenplanes 2010 wurde nicht in meiner Amtszeit getroffen. Ich habe mich dennoch auf Bitten der Kirchenvorstände auf einen langen Prozess des Beschreibens, Durchdenkens der Vorgänge von 2010 und ihrer Konsequenzen eingelassen, diese Arbeit auf mich genommen und sie organisiert. Hier erinnere ich an die Visitation, an den Klausurtag, an die Anhörung, an Gespräche im Jugendausschuss, an unzählige Einzelgespräche u.a..

Zum dritten habe ich in all den Prozessen und Entscheidungen eine von 18 Stimmen im Kirchenvorstand. Meine Art der Leitung ist es nicht, die Kirchenvorstände zu „Kopfnickern“ zu degradieren, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich einen eigenen Sachverstand zu bilden und dann zu entscheiden.

So spreche ich im Folgenden für eine Mehrheitsentscheidung des Kirchenvorstandes, die, so wollte es der Kirchenvorstand, geheim getroffen werden sollte. Es widerspricht dem mehrheitlichen Willen des Kirchenvorstandes, dass ich meine persönliche Meinung und mein Votum hier veröffentliche.

Als Pfarramtsführende habe ich die Mehrheitsentscheidung mitzutragen, diese zu vertreten und die Konsequenzen zu bedenken. Das ist die Aufgabe jedes Kirchenvorstandes. Als Gremium haben wir entschieden, nicht als Einzelpersonen, die dann für Ihre Meinung angegriffen werden.

Das und nichts anderes tue ich im Folgenden:

Der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Weißenburg wird keinen Antrag an den Dekanatsauschusses des Dekanatsbezirkes Weißenburg stellen, den Verteilungsbeschluss zur Umsetzung der Landesstellenplanung 2010 neu zu bedenken. Das hat eine geheime Abstimmung mit klarer Mehrheit im Kirchenvorstand ergeben.

Ein Tag, an dem sich der Kirchenvorstand mit der Umsetzung der Landesstellenplanung 2010 beschäftigte, und eine Anhörung der Gemeinde hatten deutlich gemacht, dass der Beschluss des Dekanatsausschusses von 2010, der damals auch das Benehmen mit der Kirchengemeinde Weißenburg eingeholt hatte, inzwischen eine Strukturreform im ganzen Dekanat ausgelöst und umgesetzt hatte, die kaum rückgängig zu machen wäre.

In Weißenburg hatte man bereits 2010 die ganze theologisch-pädagogische Stelle um 50 % reduziert. Eine halbe tp-Stelle blieb bestehen.

Der schmerzlichen Bedeutung und der inhaltlichen Auseinandersetzung dieser Reduzierung ging man aus dem Weg, indem man eine Eigenfinanzierung der reduzierten Stelle ins Auge fasste und diese Finanzierung bis „2015ff“ im Haushaltswesen der Kirchengemeinde vorsah.

Im Jahr 2010 rechnete man selbstverständlich damit, dass 2015ff die nächste Landesstellenplanung Strukturveränderungen für viele Bereiche des Dekanats mit sich bringen würde. Erfreulicherweise ist diese erneute Landesstellenplanung 2015ff noch nicht notwendig. Wann sie jedoch kommen wird, das wissen wir heute noch nicht. Das kann schnell kommen oder auch nicht.

2012 jedoch zeigte mir der Beschluss von 2010 zwei ungelöste Stellen:

1. Wo findet die derzeitige Inhaberin der tp-Stelle eine weitere halbe Beschäftigung, wenn diese im Bereich der tp-Stelle wegfällt?
2. Was geschieht mit den Arbeitsfeldern der reduzierten halben tp-Stelle, wenn die Kirchengemeinde diese nach 2015ff nicht mehr aus Eigenmitteln finanzieren kann?

Für diese offenen Fragen suchte der Kirchenvorstand in den vergangenen Jahren, auch begleitet durch die Visitation der Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern im April 2014, eine vertretbare Lösung, die sowohl den betroffenen Mitarbeitern als auch der wichtigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gerecht wird.
Diese Beratungen waren extrem belastet und schwer, weil es hier um Menschen und Aufgaben geht, die man nicht gegeneinander abwägen sollte.
Auch wollte man den Sachverhalt anders als 2010 offen und transparent kommunizieren.      

Die Lösung für die erste ungelöste Frage könnte sein:
Da die Kirchengemeinde weitere eigene genehmigte Stellen verantwortet (z.B. im Kindergarten), gäbe es ab September 2018 die Möglichkeit, zur bleibenden halben tp- Stelle  eine halbe Stelle im Kindergarten oder in der Verwaltung zu bekommen.

Die Lösung für die zweite ungelöste Frage könnte sein:
Durch Einsparungen an verschiedensten Stellen ihres Haushaltes kann es die Kirchengemeinde noch bis August 2018 ermöglichen, die Eigenfinanzierung der reduzierten halben tp-Stelle zu tragen. Damit wird sie dann seit Juni 2013 ca. 130.000 Euro in die Eigenfinanzierung einer Stelle investiert haben. Darüber hinaus ist eine Finanzierung aus dem laufenden Haushalt nicht mehr möglich. Finanzielle Mittel, die z.B. zweckgebunden für Gebäude (wie das Philipp-Melanchthon-Haus) gegeben wurden können im Sinne des Spendenrechtes nicht für Personalkosten ausgegeben werden.
Weiter wurde mit der Neubesetzung der 4. Pfarrstelle im September 2013 wieder eine „Ansprechpartnerin für die Jugend“ installiert und damit der Bereich der Jugendarbeit verstärkt.

Sicher wird es dann ab September 2018 Veränderungen geben, Umstellungen von Bewährtem und Gewohnten.  
Sicher ist aber auch und es gab nie einen Zweifel daran, dass die Kinder- und Jugendarbeit, wie sie derzeit über eine ganze tp-Stelle verantwortet wird, weitergeführt werden soll.

Die Kernbereiche der bisherigen Arbeit sollen auf der verbleibenden halben tp-Stelle bleiben, auch über September 2018 hinaus. Verteilbares wird auf die PfarrerInnen, auf den Dekanatsjugendreferenten und wenn möglich auf Ehrenamtliche übertragen, wobei wir hier unsere außerordentlich engagierten Ehrenamtlichen nicht noch mehr beanspruchen wollen.

Vielleicht muss es jedoch gar nicht zur Verlagerung von Aufgaben auf mehrere Schultern kommen, wenn es mit Hilfe eines Förderkreises gelingt, das Spendenaufkommen für die Jugendarbeit so zu erhöhen, dass damit die Jahre bis zur nächsten Landesstellenplanung überbrückt werden können. Dabei wissen wir jedoch heute noch weder den Termin der nächsten Landesstellenplanung, noch, welches Kontingent an Stellen dann zu verteilen ist.


Landesstellenplanung 2010 im Dekanatsbezirk Weißenburg, eine Zusammenfassung

2010 hatte das Dekanat Weißenburg gegenüber der Landesstellenplanung 2003 im Bereich der Pfarrstellen 1,5 Stellen weniger zugewiesen bekommen. Im Bereich der theologisch-pädagogischen Stellen bekam das Dekanat 0,5 Stellen mehr. Der Dekanatsausschuss hatte nun die außerordentlich schwierige und belastende Aufgabe, nach vorliegenden Zahlen über die Größen der Kirchengemeinden im Zusammenwirken mit den Kirchengemeinden diese Stellenreduzierung umzusetzen.
Nachdem Gespräche mit den betroffenen Gemeinden geführt worden waren, hatte der Dekanatsausschuss in seinem Verteilungsbeschluss die Reduzierung der Pfarrstellen in den Kirchengemeinden Weiboldshausen und Höttingen vorgenommen. Dort wurde die ganze Pfarrstelle auf eine halbe Pfarrstelle reduziert. In Folge schlossen sich die 4 Kirchengemeinden Ettenstatt, Reuth unter Neuhaus, Weiboldshausen und Höttingen zur Pfarrei Felchbachtal zusammen, mit einem Stellenpool von 1,5 Pfarrstellen, derzeit besetzt auf einer ganzen Stelle mit Pfarrer Piephans und mit einer berufsgruppenübergreifenden Besetzung von 3-5 Jahren mit Diakon Thomas Wollner auf der halben Stelle.

Weiter hatte man die ganze Pfarrstelle in Offenbau komplett gestrichen. Offenbau wurde mit der Kirchengemeinde Eysölden zu einer Pfarrei zusammengelegt. Das Pfarrhaus wurde 2013 nach langen Verhandlungen in einem einmaligen Genehmigungsverfahren an die Straßenambulanz St. Franziskus unter Federführung von Bruder Martin Berni vermietet. Diese Straßenambulanz betreibt in Offenbau eine Außenwohngruppe, in der die Resozialisierung Wohnungsloser immer wieder beeindruckend gelingt.    
Die Kirchengemeinde Greding, die mit Offenbau eine Pfarrei gebildet hatte, kam zur Pfarrei St. Michael in Thalmässing. In der Region Thalmässing errichtete man eine ganze theologisch pädagogische Stelle, die im Herbst 2012 mit Diakon Lothar Michel besetzt wurde. Diese Stelle entlastet den Überhang der Pfarrei Eysölden/Offenbau, der Pfarrei St. Michael und St. Gotthard.


Ich bitte die Gemeinde um faire Kommunikation dieser Sachverhalte, frei von vorschnellen Verurteilungen.
Uns alle könnte das Vaterunser verbinden mit seiner 5. und 6. Bitte:
… und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern..“

Ich bitte Sie herzlich nicht weiter Schuld zu verteilen.

Auch ich werde, wenn ich endlich wieder frei bin von dieser Last, mich für Spendengelder für die Überbrückung engagieren und habe dies schon getan im Jugendausschuss vergangene Woche, als wir gemeinsam einen Flyer überlegten.

Ihre Dekanin Ingrid Gottwald-Weber,
Weißenburg, 14. April 2015