Der Baumeister von St. Andreas

Bauhandwerkers Meisterstück 2013

Anlässlich des 11. Jubiläums der Stiftung St. Andreas wurde am 17. November 2013 in der Karmeliterkirche in Weißenburg vom Ensemble der Weißenburger Bühne das Stück "Des Bauhandwerkers Meisterstück" von Jochen Wiltschko uraufgeführt, das auf Elementen aus dem Leben des historischen Peter Hausner basiert.

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Der Baumeister stürzt sich zum Entsetzen der Bürger vom eben vollendeten Turm der Andreaskirche



Der Fall des
Peter Hausner,
genannt Huter

Peter Hausner, genannt Peter Huter, lebte im Weißenburg des 15. Jahrhunderts. Er  wurde um l440 geboren und kam schon in jungen Jahren mit der Härte des  Weißenburger Stadtgerichts in Konflikt. Angeblich hatte er drei Äpfel gestohlen  und wurde dafür zu Unrecht an den Weißenburger Pranger am Rathaus gestellt. Zu  jener Zeit war Hausner nur elf Jahre alt, doch sollte ihm dieses Ereignis sein Leben  lang in verleumderischer Art nachhängen.

Peter Hausner wurde Steinmetz und Baumeister, erwarb das Weißenburger  Bürgerrecht und diente der Stadt als Baumeister. Mit anderen Steinmetzen in  Weißenburg verstand sich Hausner wohl nicht so gut und es kam wiederholt zu  Streitigkeiten, die vor Gericht ausgefochten werden mussten.

Zum Beispiel mit „Meister Hans Kantor“, Ebenfalls Steinmetz und Baumeister in Weißenburg, um ein Erbe, das Peter Hausner angenommen hatte: Er hatte 1476 von einem verstorbenen Weißenburger Priester 20 Gulden geerbtm um damit einen „Karner“ im Kirchhof an St. Andreas zu errichten. „Meister Hans“ beschuldigte Hausner mit der alten ehrverletzenden Geschichte und machte ihm so die Arbeit an dem Karner unmöglich. Daher kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, in der Peter Hausner den Hans Kantor anklagte. Im Verlauf der Gerichtsverhandlungen drehte der Beklagte aber den Spieß um und beschuldigte seinerseits Hausner, ihm während der Bauten an St. Andreas und dem Hl.-Geist-Spital nach einer Krankheit die Arbeit weggenommen zu haben. Hausner gewann diesen Rechtsstreit, doch war ihm trotzdem kein unbeschwertes Leben in Weißenburg möglich.

Schließlich musste er sich viele Jahre lang durch einen Ehrstreit kämpfen, der durch ein anderes Testament ausgelöst worden war. Im Testament seines Patenonkels war Peter Hausner im Jahr 1481 zu dessen Testamentsvollstrecker ernannt worden. Ein Verwandter der Witwe, Konrad Pfahler, beschuldigte Peter Hausner in der Folgezeit vielfach der Falschheit, Unterschlagung und des Betrugs. Hausner wehrte sich erfolgreich gegen alle Anfeindungen und musste dazu immer wieder vor Gericht ziehen, wobei er vom Weißenburger Stadtgericht enttäuscht war und sich daher an das Eichstätter Chorgericht und schließlich sogar an den Weißenburger Amtmann Johann Waldner in Wien wandte. Dieser verwies den Fall an das Stadtgericht in Donauwörth, wo er endlich im Jahr 1499 zu einem vorläufigen Ende gebracht wurde. Peter Hausner hatte von der Satdt Weißenburg Schadensersatz verlangt. Das Urteil des Donauwörther Stadtgerichts lautete, dass sich die Satdt Weißenburg wegen Peter Hausners Prangerstehen noch rechtfertigen müsse. Dagegen legte die Stadt Weißenburg ihrerseits Berufung beim Reichkammergericht ein.

Danach verliert sich die Spur und wir wissen bis heute nicht, wie die Sache endete.

Dr. Ute Jäger